Spring Workshop 2026 | Panel Anmeldung

“Voices Rising: Rebuilding Bridges. Dialogue, Trust and Solidarity Post-October 7th”

16. März 2026 | 19 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr)
Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union, Brüssel

 

Mit Camila Piastro (European Union of Jewish Students),
Barbara von Freytag (Journalist, Political Analyst),
Furkan Yüksel (Political Educator),
Prof. Dr. Achim Rettinger (Trier University, TWON)
Moderation: Igor Mitchnik (Executive Director, Austausch e.V.)

 

Der Zusammenbruch des interreligiösen Dialogs nach dem 7. Oktober hat gezeigt, dass ein Dialog ohne strukturelle Veränderungen zu fragil ist, um Krisen zu überstehen, während Politik ohne Beziehungen hohl ist. Gleichzeitig gewinnt der Autoritarismus in demokratischen Strukturen an Boden, da den Institutionen die Instrumente fehlen, um ihn von innen heraus zu bekämpfen. Die europäischen Gesellschaften stehen nun vor einer Reihe von Krisen: Algorithmische Kuratierung und KI-gesteuerte Kommunikation verändern den öffentlichen Diskurs, während sich die interreligiöse Polarisierung, Spannungen aufgrund von Vertreibung, Desinformation und die Erosion der Dialogfähigkeit verschärfen. Diese sich überschneidenden Herausforderungen erfordern nachhaltige Lösungen, die sowohl strukturelle Resilienz als auch vertrauensvolle Beziehungen aufbauen.

Die öffentliche Podiumsdiskussion befasst sich mit kritischen Fragen: Wie kann der Dialog nach Krisen und kollektiven Traumata wieder aufgebaut werden? Wie prägen KI, Plattformen und Medien Narrative und interreligiöse Beziehungen? Was können uns Praktiker, die sich mit Krieg, Diskriminierung und Gemeinschaftsaktivismus befassen, lehren? Wie schaffen wir Räume – online und offline –, die Vertrauen und echte Gespräche stärken?

Gemeinsam mit internationalen Expert*innen werden wir untersuchen, wie digitale Technologien, Medienberichte und Gemeinschaftspraktiken sich gegenseitig beeinflussen – indem sie Spaltungen verstärken oder Wege eröffnen, um den Dialog wieder aufzunehmen, die Solidarität zu stärken und die demokratische Kultur durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu erneuern.

Anmeldung hier.

Ankündigung | Spring Workshop 2026

Rebuilding Bridges: Dialogue, Trust and Solidarity Post October 7th
14. – 18. März 2026 | Brüssel, Belgien

 

Der Future 500 Frühjahrs Workshop “Rebuilding Bridges: Dialogue, Trust and Solidarity Post October 7th”bringt junge europäische Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um die wichtigsten Fragen zu erörtern, die den Dialog und den sozialen Zusammenhalt heute prägen:

Die europäischen Gesellschaften sehen sich angesichts sich verschärfender Krisen einer zunehmenden sozialen Fragmentierung gegenüber. Digitale und analoge Umgebungen beeinflussen zunehmend, wie Gemeinschaften Ereignisse interpretieren, Konflikte bewältigen und Vertrauen aufbauen. Algorithmische Kuration, KI-gesteuerte Kommunikation und sich wandelnde Medienökologien verändern soziale Beziehungen und den öffentlichen Diskurs grundlegend.

Diese Veränderungen gehen einher mit wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen: interreligiöse Polarisierung, durch Vertreibung bedingte soziale Spannungen, zunehmende Desinformation und die Erosion der Dialogfähigkeit nach kollektiven Traumata. Doch dieser kritische Wendepunkt eröffnet auch neue Möglichkeiten für eine erneuerte Zusammenarbeit und demokratisches Engagement.

Das Future 500 Programm lädt Sie ein, sich den Herausforderungen dieser dringenden Veränderungen zu stellen. In Zusammenarbeit mit TWON (Twin of Online Social Networks) und führenden internationalen Experten werden wir untersuchen, wie digitale Technologien, traditionelle Medienberichte und Gemeinschaftspraktiken sich überschneiden – wie sie Spaltung und Misstrauen verstärken können, aber auch, wie sie Wege für den Wiederaufbau des Dialogs, die Stärkung der Solidarität und die Erneuerung der demokratischen Kultur eröffnen können.

 

Format

In Workshops, interaktiven Sitzungen, Simulationen, öffentlichen Veranstaltungen und Begegnungen mit Expert*innen werden die Teilnehmer*innen sowohl die Risiken als auch die Möglichkeiten unserer digitalen und sozialen Umgebungen erkunden, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Wiederherstellung des Vertrauens zwischen gespaltenen Gemeinschaften liegt.

Der Workshop wird in Zusammenarbeit mit TWON (Twin of Online Social Networks) organisiert, einem von der EU finanzierten Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, die potenziell schädlichen Auswirkungen sozialer Online-Netzwerke (OSNs) auf demokratische Debatten zu untersuchen und der Europäischen Kommission strategische Empfehlungen für eine mögliche Regulierung von Technologieunternehmen oder Plattformbetreibern zu unterbreiten.

 

Future 500 vernetzt junge europäische Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Zivilgesellschaft, um durch internationalen interreligiös-weltanschaulichen und interkulturellen Dialog konkrete gesellschaftspolitische Initiativen zu entwickeln und diese in der europäischen Zivilgesellschaft umzusetzen.

Rückblick: European Leadership Workshop 2025

Future 500 European Leadership Workshop 2025
Plurality in Europe – Venice as a Case Study for Interreligious and Worldview Relations

7.-11. Oktober 2025
Ort: Venedig, Italien
DialoguePerspectives e.V. in Partnerschaft mit dem Centro Tedesco di Studi Veneziani

Europas Fähigkeit, religiöse und kulturelle Pluralität zu gestalten, wird grundlegend über seine zukünftige Stabilität und seinen Zusammenhalt entscheiden. Der Future 500 European Leadership Workshop 2025 nutzte Venedigs historische Erfahrung mit religiöser und kultureller Vielfalt als methodischen Rahmen zur Untersuchung gegenwärtiger interreligiöser und weltanschaulicher Beziehungen und demonstrierte, dass historische Präzedenzfälle unverzichtbare Orientierung für die Bewältigung heutiger Herausforderungen bieten. Das Programm versammelte 20 gegenwärtige und künftige europäische Führungspersönlichkeiten mit vielfältigen beruflichen, geografischen und fachlichen Hintergründen zu einer intensiven kollaborativen Analyse historischer Modelle und ihrer zeitgenössischen Anwendungen. Der Workshop befasste sich mit allen Dimensionen der Arbeit von Future 500: der Untersuchung der Rolle von Religionen und Weltanschauungen in pluralistischen Gesellschaften, der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Erinnerungskulturen und der Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung von Antisemitismus und Rassismus. Die Ergebnisse belegen, dass das Zusammenbringen pluralistischer Kohorten engagierter Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zur Bewältigung gegenwärtiger Herausforderungen durch kollaboratives Lernen und Zusammenarbeit substanzielle Resultate erzielt. Dieser Ansatz stellt ein replizierbares und skalierbares Modell für europäische Zusammenarbeit dar, das Stärkung und Ausweitung verdient.

 

Der Workshop begann mit einer Keynote von Prof. Dr. Rafael Arnold (Universität Rostock), der aufzeigte, wie das Ghetto als Miniaturdarstellung jüdischer Existenz diente – ein Raum, der durch unterschiedliche Herkünfte, Sprachen und religiöse Praktiken definiert war. Führungen durch die Scola Italiana und Scola Spagnola Synagogen offenbarten, wie Venedigs jüdische Bevölkerung ihre einzigartigen Identitäten bewahrte und zugleich aktiv an der öffentlichen Sphäre der Stadt teilnahm. In seiner Präsentation Planetary Ghetto: Past, Present, Future Misunderstandings untersuchte Prof. Dr. Shaul Bassi (Ca‘ Foscari Universität Venedig; Beit Venezia), wie moderner antisemitischer Diskurs auf verfälschten historischen Darstellungen jüdischer Gemeinschaften beruht. Er charakterisierte das Ghetto als dynamisches Zentrum intellektueller Aktivität und Widerstandsfähigkeit und zog Verbindungen zwischen dem Venedig des 16. Jahrhunderts und gegenwärtigen Auseinandersetzungen mit Antisemitismus und klimabedingter Vertreibung. Dr. Francesco Piraino (Cini Foundation) analysierte, wie die muridischen senegalesisch-italienischen Künstler Maïmouna Guerresi und Moulay Niang kreativen Ausdruck mit spiritueller Auseinandersetzung verbinden, um Rassismus und Sexismus zu konfrontieren. Mit Verweis auf Venedigs multireligiöses Erbe – einschließlich jüdischer, armenischer und christlicher Bevölkerungen, die Seite an Seite lebten – illustrierte er die Fähigkeit der Kunst, theologische und kulturelle Unterschiede zu überbrücken. Der in Berlin lebende Schriftsteller Deniz Utlu las aus seinem Roman „Vaters Meer“ und diskutierte mit Petra Schäfer (Centro Tedesco di Studi Veneziani), wie individuelle und kollektive Erinnerungen an Migration und Identität sich überschneiden und den Dialog in pluralistischen Gesellschaften zu bereichern. Matteo Gabrielli leitete eine Führung, die Venedigs historische Ansätze zum Umgang mit Vielfalt hervorhob: selbstverwaltete, aber verbundene Gemeinschaften, zunftbasierte wirtschaftliche Partnerschaft, gerechte Rechtsstrukturen und religiöse Pluralismusmechanismen, die den sozialen Zusammenhalt bewahrten.

     

In einem World-Café-Format präsentierten die Teilnehmer*innen ihre eigenen Projekte, vertieften die Kontextualisierung der Workshop-Themen durch praktische Beispiele und förderten disziplinübergreifenden Dialog. Im gesamten Programm waren die Diskussionen durchdrungen vom Bewusstsein für drängende zeitgenössische Herausforderungen: die allgegenwärtige Klimakrise und ihre Auswirkungen auf Vertreibung und sozialen Zusammenhalt sowie das im Nahen Osten in Vorbereitung befindliche Friedensabkommen, das einen aktuellen Hintergrund für Reflexionen über Dialog und Konfliktlösung bot.

Vier Kernprinzipien kristallisierten sich in diesen Sitzungen heraus:

  1. Institutionen sollten Vielfalt ermöglichen und gleichzeitig bürgerliche Identität fördern.
  2. Kultureller Dialog gelingt auch innerhalb hierarchischer Strukturen; die Demokratisierung dieser Strukturen kann soziale Transformation katalysieren.
  3. Wirtschaftliche gegenseitige Abhängigkeit fördert kollaborative Beziehungen.
  4. Separate Identitäten können innerhalb gemeinsamer bürgerlicher Rahmenstrukturen harmonisch existieren.

     

Die 20 Teilnehmer*innen – aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Kunst und religiösen Institutionen – wendeten diese Erkenntnisse an, um ein kollaboratives Policy Paper weiterzuentwickeln: Strengthening European Unity Through Faith and Worldview Engagement. Dieses Policy Paper überträgt historisches Lernen in konkrete Vorschläge in vier Bereichen: Partnerschaft mit Glaubensgemeinschaften zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts und Harmonisierung religiöser Vielfalt mit kollektiven Prinzipien, Umgang mit Erinnerungskulturen, Bekämpfung von Antisemitismus und Rassismus. Die Ergebnisse werden Ende 2025 im DialoguePerspectives e.V. Bericht veröffentlicht und bieten praktische Orientierung für politische Entscheidungsträger*innen, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie religiöse Gemeinschaften in ganz Europa.

Der Workshop bekräftigte, dass historische Einsicht für zeitgenössischen Pluralismus notwendig bleibt: Venedigs jahrhundertelange Erfahrung offenbart sowohl das Versprechen als auch die Komplexität des Zusammenlebens mit Differenz. Das entstehende Netzwerk von Führungspersönlichkeiten wird diese Einsichten weiterhin in ganz Europa vorantreiben und die Mission von Future 500 verstärken, Einheit durch Vielfalt zu stärken.

Rückblick: Chemnitz Study Trip 2025 – Digital Remembrance. Plural Perspectives

7. – 9. Oktober 2025
Chemnitz, Deutschland

Algorithmen entscheiden heute darüber, welche Geschichte(n) und Erinnerung(en) überleben und welche in digitaler Vergessenheit verschwinden – und damit ist die Frage, wie Europa sich an seine Vergangenheit erinnert, zu einem Schlachtfeld für die Demokratie selbst geworden. Während sich die Polarisierung vertieft und gemeinsame Narrative zerbrechen, ist Erinnerung längst keine Frage mehr von Denkmälern und Gedenkstätten – sie wird zunehmend durch profitorientierte Plattformen, emotionale Dynamiken und digitale Architekturen geformt, die kollektives Gedächtnis privatisieren und fragmentieren. Vor diesem Hintergrund versammelten sich in Chemnitz – einer Stadt, die sich als Kulturhauptstadt Europas neu erfindet und sich gleichzeitig mit ihrer eigenen herausfordernden Geschichte auseinandersetzt – Künstler*innen, zivilgesellschaftliche Aktivist*innen und digitale Expert*innen, um die Erinnerung aus den Randbereichen des Internets zurückzuerobern. Ihre Aufgabe: zu beweisen, dass demokratische Erinnerungsarbeit nicht nur digitale Fragmentierung überleben kann, sondern stärker, partizipativer und inklusiver daraus hervorgehen kann als je zuvor.

     

(Foto: Natalia Reich)

Als Antwort auf diese Herausforderung kollaborierten die Programme von DialoguePerspectives e.V. – Future 500, Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD), Dagesh – Jewish Art in Context) – mit dem EU-finanzierten Forschungsprojekt TWON, um Erinnerungskultur mit digitaler Bildung und demokratischer Partizipation zu verbinden.

     

In einer Stadt, die von Erneuerung und herausfordernden Geschichten geprägt ist, und im Kontext der Kulturhauptstadt Europas förderte die Zusammenarbeit innovative Ansätze für inklusive Erinnerung. Sie demonstrierte, dass kollektives Gedächtnis durch Zusammenarbeit und kritische Auseinandersetzung digitaler Fragmentierung standhalten und stärker sowie partizipativer hervorgehen kann.

Das Programm brachte Künstler*innen, lokale Organisationen, Expert*innen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen zusammen, um neue Formen der Erinnerung im digitalen Zeitalter zu erkunden. Durch Aufführungen, Workshops und öffentliche Diskussionen untersuchten die Teilnehmer*innen die Schnittstelle von Technologie, Kultur und lokalen Geschichten bei der Gestaltung kollektiven Gedächtnisses.

     

(Fotos: Anne Schober)

Mit einem Konzert und einem Künstlergespräch von Alex Stolze und Daniel Laufer als Teil von Dagesh Studio on the Road – #Sukkot Edition begann der Workshop. Alex Stolzes Album Raash ve Ruach reflektiert die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und die Resilienz jüdischen Lebens heute. Dieser künstlerische Auftakt gab den Ton für die folgenden Tage vor und präsentierte Erinnerung als lebendigen, dialogischen Prozess. Interaktive Formate wie das TWON Citizen Lab luden Teilnehmer*innen und die Öffentlichkeit ein, die Art und Weise zu erleben, wie digitale Plattformen emotionale Dynamiken und öffentliche Meinung strukturieren, und regten zur Reflexion über Transparenz und Rechenschaftspflicht im Netz an. Diskussionen über politische Erinnerungsarbeit und kreativen Widerstand erkundeten, wie Erinnerung über Gemeinschaften und Plattformen hinweg praktiziert werden kann, während eine Sitzung über die vietnamesische Diaspora in Chemnitz Migrationsgeschichten, Gemeinschaftserinnerungen und Rassismuserfahrungen in den Vordergrund rückte.

Das öffentliche Panel „Practices of Remembrance in Digital Spaces“ mit Dr. Jonas Fegert, Nhi Le, Susanne Siegert und Moderator Benjamin Fischer brachte die Diskussion zu einem breiteren Publikum, indem es untersuchte, wie KI und soziale Medien traditionelle Erinnerungsformen nicht nur herausfordern, sondern auch neue Möglichkeiten für digitale Erinnerungsarbeit eröffnen – ihre Reichweite, Zugänglichkeit und kreativen Ausdruck durch Plattformen wie digitale Archive und interaktive Formate erweitern. Das Panel fand im Offenen Prozess – Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex statt, einem besonders bedeutsamen Ort, da er sich mit dem Erbe rechter Gewalt auseinandersetzt und kritische, partizipative Ansätze für Erinnerung und Gerechtigkeit im zeitgenössischen Deutschland fördert.

     

Indem das Programm vielfältige Perspektiven verband – von lokalen Geschichten bis zu digitaler Ethik – verwandelte es Chemnitz in ein Labor für gemeinsame Erinnerung. Es demonstrierte, wie kollaborative Initiativen komplexe Geschichten in gemeinsame Verantwortung übersetzen können und dabei sowohl kulturelle Partizipation als auch demokratische Resilienz stärken.

Der Chemnitz Study Trip machte eines deutlich: Erinnerung im digitalen Zeitalter muss partizipativ sein und sich der Machtstrukturen kritisch bewusst sein. Der Workshop bekräftigte die einzigartige Rolle von Future 500 und DialoguePerspectives e.V. mit seinen verschiedenen Programmen als interreligiös-weltanschauliche Plattform zur Förderung von Pluralismus online und offline. Demokratisches Gedächtnis heute zu verteidigen bedeutet, die Räume zu verteidigen, in denen es geteilt, diskutiert und transformiert wird – sowohl online als auch offline.