5. Juli 2026 | 18:30 Uhr (Einlass 18 Uhr)
WeiberWirtschaft | Anklamer Str. 38 | 10115 Berlin-Mitte
mit Cyril Hovorun | Sankt Ignatius College, Stockholm
Einführung und Moderation: Jo Frank | Direktor, DialoguePerspectives e.V.
Der interreligiöse und weltanschauliche Dialog ist eines der etabliertesten Instrumente der Friedensförderung und des sozialen Zusammenhalts in Europa. Dennoch gibt es überraschend wenig Belege für seine Wirksamkeit. Begegnungen finden statt. Die Repräsentation ist gesichert. Doch nachhaltige Zusammenarbeit, gemeinsames bürgerschaftliches Handeln und dauerhafte Veränderungen in der Konfliktdynamik sind nach wie vor selten.
Jüngste Krisen werfen schwierige Fragen hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit von Dialoginitiativen in ganz Europa auf. Die theologische Legitimierung des Krieges gegen die Ukraine durch die russisch-orthodoxe Kirche ist ein prominentes Beispiel. Als die russisch-orthodoxe Kirche Russlands Invasion ihren Segen gab, versäumte sie es nicht nur, einen Krieg zu verhindern, sondern auch, ihrer Pflicht nachzukommen. Sie versorgte diesen Krieg mit einer Theologie, indem sie die Sprache der spirituellen Begegnung nutzte, um die Eroberung zu heiligen, und die Maschinerie der Versöhnung in ein Instrument der Legitimierung verwandelte.
Die unbequeme Frage, die sich daraus ergibt, ist daher, ob das Konzept des Dialogs selbst Teil des Problems geworden ist. In seinem Hauptvortrag wird Cyril Hovorun, ein ukrainisch-orthodoxer Theologe und eine der prägnantesten Stimmen zum Verhältnis zwischen Religion und politischer Macht, auf diese Frage eingehen. Da er in leitenden Positionen innerhalb der orthodoxen Kirche tätig war, verfügt er sowohl über fundierte Kenntnisse der orthodoxen Theologie als auch über Erfahrungen aus erster Hand darüber, wie der Glaube in den Dienst des Imperiums gestellt wird.
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
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