Wo beginnt ein Bruch – im Wort, im Satz, im Schweigen, in der Geste? Wie gebrochen darf eine Sprache sein, damit in ihr noch geschrieben werden kann?
Mit dem Programm Sprachbrüche setzte das Museum der Migration Wien (MUSMIG) Ende Oktober und Anfang November 2025 einen ersten Auftakt, um diesen und weiteren Fragen nachzugehen. Im kommenden Jahr soll dieser Schwerpunkt in erweitertem Umfang fortgeführt und vertieft werden.
Sprachbrüche bezeichnen Erlebnisse und Erfahrungen an den Bruchkanten einer vielsprachigen Wirklichkeit. Im Herbst 2025 näherte sich das MUSMIG erstmals intensiv diesen sprachlichen Dazwischenräumen. Sprachbrüche – vielleicht mit einer offenen Klammer gedacht: Sprach(_)Brüche – markieren jene Momente, in denen Menschen und die sie umgebenden Sprachen von etwas betroffen sind: wenn die Sprache der (Groß-)Eltern zu entgleiten beginnt; wenn ein Wort aus dem kindlichen Wortschatz verloren geht; oder wenn eine offizielle Umgangssprache keinen Ausdruck für ein Gefühl bereithält, das sich in einer anderen Sprache präzise benennen lässt.
Sprachbrüche sind zugleich Auf- und Abbrüche: wenn die Sprache verweigert wird, in der gegen einen gehetzt wird, und stattdessen neue sprachliche Wege eingeschlagen werden, die neue Freund_innenschaften ermöglichen. Sie sind auch Durchbrüche – Momente, in denen ein Satz, ein Wort, ein Vers die eigenen Grenzen überschreitet und unmittelbar berührt.
Die Geschichten, die aus solchen Brüchen hervorgehen, sind endlos, plural und vielstimmig. Im Zentrum von Sprachbrüche steht ein Ethos: Dort, wo etwas bricht und bröckelt, wo nichts je ein einziges Ganzes gewesen ist, kann Sprache als Brücke und Leiter wirken. Bruch, Getrenntheit und Pluralität fordern dazu auf, kreativ mit den Sprachen umzugehen, die uns umgeben – selbst dann, wenn nur Bruchstücke der einen oder anderen Sprache zur Verfügung stehen.
